Mannsfrauen in Hamburg oder Chefinnen von Welt?

„Sei stark, sei hart und setze Dich durch!“ Und vor allem: „Komme schnell auf den Punkt, denn ich habe keine Zeit!“ Solche Phrasen kennen wir alle. Entscheidungen aus dem Herzen und der Ruhe heraus zu fällen, wird in der heutigen Gesellschaft selten geduldet. Dabei ist eben diese Art von Geduld mit sich selbst geradezu überlebenswichtig. Doch stattdessen kursiert Verzweiflung: „Wie kann ich nur dem Anspruch der Gesellschaft gerecht werden? Ich renne, mache Weiterbildungen, studiere, arbeite und trotzdem komme ich nicht weiter. Ich will nach oben und stürze nach unten.“ Dieses Phänomen, das wir beliebig oft erfahren, sobald wir nur einen Fuß vor die Tür wagen, erinnert mich an eine ganz bestimmte Veranstaltung in Hamburg. Es war vor etwa sieben Jahren: ein gemütlicher Netzwerktreff, zu dem nur Frauen eingeladen waren – Frauen, die beruflich auf eigenen Beinen stehen wollten.71427321893-318798-5197148-5917189181419-71931

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Viele der damals anwesenden Frauen wirkten unheimlich vermännlicht. Wie Soldaten, die funktionieren und marschieren, ohne auch nur die geringste Notiz von ihrer weiblichen Seite zu nehmen. Die hatten sie anscheinend schon in ihre Handtaschen vergraben; und einige hatten ihre Taschen sogar durch schwerwiegende Aktenkoffer ersetzt. Ihre männliche Seite der businesskonformen Präsentation schien mit ihrer weiblichen Harmonie im totalitären Disput zu stehen. Sie wirkten dominant,  wissbegierig, zugleich aber auch ängstlich und gehetzt. Streng genommen hätte diesen Frauen wohl selbst eine Quote nicht helfen können, ihre Weiblichkeit in die Chefetagen zu befördern, weil sie einfach nicht weiblich waren – eher eine groteske Blaupause der männlichen Gegenspieler, mit denen sie sich im beinharten Wettbewerb sahen.

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Netzwerken mit Spaß und Mehrwert

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Ich nahm damals mit einer guten Bekannten an dem Netzwerktreffen teil. Wir waren beide nett gekleidet. Businessmäßig, aber locker – ich fühlte mich wohl. Das Programm bot einige interessante Talkrunden. Dabei sind mir vor allem drei Damen in Erinnerung geblieben, die so ganz anders wirkten als die übrigen, oben beschriebenen Frauen. Diese drei Damen hatten etwas, was die anderen nicht hatten: Passion, Souveränität, Charisma. Diese Damen begeisterten weder mit ihren bloßen Worten noch mit ihren schicken Lebensläufen. Es waren auch nicht ihre eleganten Kleider, die sie trugen. Sie waren einfach nur sie selbst, und das beeindruckte. Sie wirkten natürlich – bei sich angekommen, in sich ruhend und voller Kraft und Stärke.   515889/888912818848/938/8884121289018

Interkulturelles Denken = Frauensache?

Die eine erzählte uns davon, wie sie sich als Geschäftsfrau in einer doch abgeklärten Männerwelt auf dem fernöstlichen Markt bewegte. Das Produkt, mit dem ihr Unternehmen den asiatischen Markt bestimmte, hatte eine lange internationale Tradition. In Asien erlebte sie zum ersten Mal, wie schwierig es als Frau sein konnte, mit den Geschäftsleuten fremder Kulturen zu verhandeln. Sie wurde am Anfang oft als Frau abgelehnt, weil es nicht der Vorstellung entsprach, sich von einer Frau ein geschäftliches Angebot offerieren zu lassen.

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Die Wende in den Köpfen von Männern hat längst begonnen

Da die Herren aber in diesem Fall absolut vom Produkt überzeugt waren – und die Dame sich zwar reservierte, aber trotzdem hartnäckig blieb –, ließ sich schließlich doch noch ein Weg finden, das Geschäft zu machen. Sie wiederholte oft, wie schwierig es am Anfang war und wie wichtig es wohl war, sich zurückzunehmen und den Herren gegenüber Respekt zu zollen. Standvermögen, Sensibilität, Offenheit und direkte Kommunikation nannte sie als die entscheidenden Schlüssel in einer solchen Situation, um letztlich aufeinander zu und sich nicht voneinander weg zu bewegen. Sie spickte ihren Bericht mit kurzweiligen Anekdoten und sprach darüber, wie sie trotz innerer Angst noch so manche Hürde auf ihrem Weg hatte nehmen müssen. Und wie ihr lieber Mann sie dabei beratend unterstützte, aber immer im Hintergrund blieb. 5148123/520/741/71427321893/318798/E=VS

Links das Kind, rechts die Akte?

In der nächsten Talkrunde ging es um die Frage, wie sich Kind und Karriere miteinander vereinbaren lassen. Eine alleinerziehende Managerin einer großen internationalen Hotelkette erzählte, dass sie lange Zeit keinen Kindergartenplatz für ihren Sprössling fand. Als sie sich dann fast dazu genötigt sah, das Kind mit ins Büro zu nehmen, dies im Konzern aber nicht auf allzu große Gegenliebe stieß, suchte sie nach einer praktikablen Lösung. Schließlich kam sie auf die Idee, eine betriebseigene Kinderbetreuung einzurichten – damals klang das noch sehr revolutionär und äußerst ungewöhnlich. Der Vorstand blieb am Anfang distanziert; und in ihr wuchs die Angst, sich bald nach einem anderen Job umsehen zu müssen.

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Doch am Ende konnte sie ein brillantes Konzept vorlegen, mit dem beiden Seiten zufrieden waren. Und  da sie natürlich kein Einzelfall war, konnten dank ihres Engagements als Managerin nun gleich mehrere alleinerziehende Frauen in der Hotelkette gehalten werden. Ich erinnere mich noch gut daran, wie direkt im Anschluss eine rege Diskussion ausbrach. Eine alte Juristin, bestimmt der 68er-Bewegung entsprungen, meldete sich zu Wort. Völlig entsetzt regte sie sich darüber auf, dass immer mehr junge Akademikerinnen nach ihrem ersten eigenen Kind die Karriere sausen ließen. Ausgerechnet die besten Uniabsolventinnen würden plötzlich nicht mehr der juristischen Laufbahn folgen, sondern sich zuallererst viel lieber um ihre Kinder kümmern. Diese jungen Frauen würden dann allenfalls noch Boutique-Besitzerinnen werden wollen und die ganzen Studienkosten wären sinnlos ausgegeben, keifte sie ketzerisch. Es müssten doch auch Wege gefunden werden, solche jungen Volljuristinnen wieder zurück in den Job zu holen. Ich musste damals schallend lachen – und versuchte zu beschwichtigen: „Mit einem Kind wird doch jede Frau viel ruhiger …“ Sie stutzte arrogant. „Kinder geben den Frauen die Erdung, die sie brauchen. Viele studieren doch nur, um ihren Eltern gerecht zu werden oder um schnell in die Top-Ten zu kommen.women-evolution_1 Nicht selten studieren Jugendliche aus einer Illusion heraus, wollen Geld und Prestige.“ Und ich legte weiter nach: „Haben Sie diese Frauen einmal gefragt, was sie wirklich werden wollten? Nein! Sind wir Menschen denn nur noch Ware oder gibt es auch noch Persönlichkeiten?“ Die Dame reagierte sehr gereizt und sortierte dann ihren Nadelstreifenanzug, als wollte sie damit ihre gehobene Stellung markieren. Später unterbrach sie mich bei jeder Gelegenheit. Ich konnte damals nur darüber grinsen. Wie auch immer, zurück zur erfolgreichen Managerin: Sie gab zu, dass ein Kind seinerzeit eigentlich noch keinen Platz in ihrem Werdegang hatte. Dadurch wurde alles viel stressiger, doch andererseits schenkte ihr das Kind auch sehr viel Kreativität und Herzlichkeit. Einen geradlinigen Plan, der den Tag gestaltet, gab es nicht mehr – das Kind bestimmte mehr als sie sich vorstellen konnte. Wie man dann die Prioritäten setzt, sei auch eine Typ-Frage, erklärte sie. Ihrer Ansicht nach würde letztlich jede Mutter das Beste für ihr Kind herausholen – die eine so, die andere so. Und sie versteht auch jene Frauen, die sich gegen Kinder entscheiden. Beide Varianten hätten Vor- und Nachteile.

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Im Anschluss hieß es: Mittagspause! Ich saß mit meiner Bekannten gemütlich beim Essen. Plötzlich bewegte sich ein riesiger Pulk von Frauen in unsere Richtung. Vorne weg: Ein renommierter Star aus der Hamburger Unternehmerszene. Eine kleine, gemütliche Frau, die sehr mondän wirkte. Sie war die Chefin eines alten Familienunternehmens in der Versicherungsbranche. Ihr Gesicht war mir vertraut, liefen wir uns während der Veranstaltung schon mehrfach über den Weg – grinsten uns jedes Mal nur an. Auch diesmal trafen sich unsere Blicke. Wir lachten uns zu. Und sie lenkte ihre Schritte nun genau in meine Richtung. Der Hort neugieriger, ja beinahe lästig wirkender Frauen folgte ihr. Sie saß sich direkt neben mich und meine Bekannte. Die wissbegierigen Frauen versammelten sich zu einer riesigen Traube um uns herum. Sie wollten die Dame in allen denkbaren Angelegenheiten befragen. Ich ließ mich davon nicht irritieren und genoss weiterhin das chinesisch gewürzte Entenfleisch vom Buffet, während sich meine Bekannte schnell der Fragerunde anschloss. Beiläufig blickte ich auf den Programmplan und überlegte, welches Panel ich als Nächstes besuchen könnte. Die Schar der ratsuchenden Frauen an unserem Essenstisch, die sich wie junge Groupies um ihren Megastar tummelten, hielt unverändert an. Es ließ sich nicht vermeiden, die Gespräche mitzubekommen. Ich erfuhr, dass die geschäftsführende Dame aus einer einflussreichen Familien stammte, in der sie als Frau von Anfang an etwas zählte. Obwohl sie sehr reich gewesen sein musste, wirkte sie sehr geerdet. Sie berichtete auch, dass sie während ihrer Laufbahn ganz bewusst die einfachen Arbeiten erledigt habe, um auch die operativen Herausforderungen später nachvollziehen zu können. Sie meinte, ein Studium oder eine Weltkarriere würden nicht entscheidend sein. Der Mensch persönlich, so erklärte sie, sei entscheidend. Jeder könne alles werden – manchmal bräuchte es nur den richtigen Augenblick oder ein gutes Netzwerk. Zwischendurch grinste sie mich wiederholt an, vielleicht in der Hoffnung, dass ich auch etwas frage, doch ich schwieg. Ich war von ihrer Persönlichkeit total überwältigt. Es gab auch nichts, was ich hätte fragen können, denn sie sagte schon alles, was ich wissen wollte.

Mehr Zeit in der Natur verbringen

Nun, was haben diese drei Frauen gemeinsam? Ich denke, sie sind alle ihren eigenen, individuellen Weg gegangen. Und obwohl sie dabei schwierige Hürden nehmen mussten, sind sie sich selbst treu geblieben. Wann immer es nötig war, ihre führenden Positionen zu behaupten, haben sie Kreativität, Kraft und Stärke entfaltet, ohne dadurch zu vermännlichen. Und gerade durch die schwierigen Zeiten sind sie erst zur Führungspersönlichkeit gereift. Sie haben neue Ideen entwickelt und nach Lösungen gesucht, die sie andernfalls gar nicht entwickelt und gesucht hätten. Es ist ihnen gelungen, eine innere Sicherheit und Koordination zu entwickeln, die sie noch bis heute charismatisch macht. Demzu hatten sie in den Gesprächen nicht zuerst von ihren Studienabschlüssen oder familiären Wurzeln berichtet, sondern davon, wie sie mit Beharrlichkeit, Resolutheit, (De-)Mut und Kreativität gehandelt haben. Sie gingen ihren Weg, obwohl sie manches Mal vielleicht lieber hätten aufgegeben. Ihre Ausdauer wurde nicht enttäuscht.   515889/888912/938/8884121289018/47648976/ 287741

Fotos Bea und Chritoph Ratzeburg 055
Höre auf die innere Stimme www.evolution-international.com

Von innen nach außen zum Erfolg

Ihre Art, wie sie ihre Wege gegangen sind, hatte den Unterschied gemacht – weniger die Art, wie sie einst ihre Wege begonnen hatten. Ein Feingefühl dafür zu entwickeln, welcher Schritt der nächste sein sollte, gehörte genauso dazu, wie sich gelegentlich zu hinterfragen, ob die Richtung noch stimmte. Sie sind durch ihre Abenteuer im Geschäftsleben gewachsen und haben heute Spaß daran, mit Krisen zu arbeiten.

In den letzten Jahren sind mir viele Frauen begegnet, aber nur wenige haben eine derartige Faszination hinterlassen, die bleibt. Wenn ich so darüber nachdenke, habe ich damals bei diesem Netzwerktreffen viele Impulse erhalten, die ich bereits in vielen Lebenssituationen umsetzen konnte. Dazu zählt etwa die richtige Einstellung zum Leben: Nicht die Suche im Außen zu beginnen, sondern aus sich selbst heraus die Lösungen zu erschaffen, die gerade nötig sind. „Wenn Bedingungen günstig sind, erblühen Blumen“, heißt es in einem alten Zen-Buch. „Jeder Mensch sollte lernen, Bedigungen in sich selbst zu schaffen, um eine blühende Blume zu sein.“ Ich sage: Wer sich selbst als Mensch nicht wertschätzt, sich ständig mit anderen vergleicht und versucht, ein Ideal zu erschaffen, das er nicht halten kann, der wird immer wieder scheitern. Das Charisma, das die Erfolgreichen umgibt, folgt einem inneren Reifeprozess. Die Grundlagen dafür liegen nicht in der gesellschaftlichen Bewertung des äußeren Scheins – sondern in der individuellen Entdeckung des inneren Seins. Erfolg wächst aus dem Inneren und manifestiert sich im Außen. Wer es anders herum versucht, wird sich letztlich nur am Erfolg anderer erfreuen.

„Ein wahrer Held schreitet tausende Meilen in einem Schritt, während der kleinmütige tausende Schritte macht und dabei keinen Schritt vorankommt.“ (Zen-Meisterin Daehaeng)

 

Und ein dickes Dankeschön an die Handelskammer in Hamburg! Immer wieder schöne Ideen und tolle Veranstaltungen!

 

 

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